Der Alltag
Wie sieht mein normaler Tag in Italien aus? Von Montag bis Samstag stehe ich um 6 Uhr 50 auf, bereite mich für den beginnenden Tag vor, spiele mit dem Kätzchen, hüpfe auf das Fahrrad und bin 5 bis 10 Minuten vor 8 Uhr in der Schule. Um ungefähr halb zwei gibt es zu Hause Mittagessen. Normalerweise essen wir zuerst Pasta und, wenn gewünscht, nachher auch Fleisch. Nach dem Mittagessen mache ich meistens ein paar Stündchen Hausaufgaben, davon gibt es nähmlich ziemlich viele (es ist nicht überraschend, dass ich nicht immer alles schaffe). Danach habe ich unterschiedliche Beschäftigungen. Manchmal gehen wir mit dem Bruder in die Bücherei, um Freunde zu treffen und die Hausaufgaben zu erledigen (was aber ziemlich sekundär ist), oder ich mache "trockenes" Training mit dem Bogen oder tanze, oftmals spielen wir mit dem Bruder auch Schach.
In Nardò gibt es keinen Bogenschießplatz und öffentliche Verkehrsmittel, um in die Nachbarstädte zu kommen, gibt es kaum. Deswegen kann ich kein vollwertiges Schießtraining machen, sondern muss mich auf sogenanntes trockenes Training beschränken. Damit meine ich die Bogensehne ohne Pfeil heraus ziehen und dann wieder zurück lassen, damit die Muskeln nicht steif werden. Auf der anderen Seite habe ich eine tolle Tanzschule gefunden. Ich habe an zwei verschiedenen Orten eine Probestunde gemacht und hinterher ist es sehr interessant nachzudenken, wie wichtig das Bauchgefühl ist. In der ersten Schule schien etwas zu fehlen. Man konnte nicht auf etwas Konkretes hinweisen und sagen: "Nein, dieser Ort passt nicht". Es gab aber einige Kleinigkeiten die nicht passten. Als ich in die andere Schule herein trat, fühlte ich mich sofort wie zu Hause. Ich wurde von netten Kameraden und der Lehrerin empfangen und es gab keinen Zweifel, dass diese Tanzschule genau das Richtige für mich ist. Es gab dieses Etwas, diesen X-Faktor, der alles in Ordnung brachte. Dienstags und Freitags um 6 Uhr machen wir ein Stündchen Ballett und danach anderthalb Stunden modernen Tanz. Am ersten Tag war das Moderne für mich so neu, dass es mich (auf eine gute Art und Weise) völlig umgehauen hat. Zweimal im Monat gibt es auch Akrobatik-Stunden. Es war keine Überraschung, dass es keinen schwierigeren oder leichteren Tanzstil gibt. Sie erfordern alle äußerst viel Engagement und Eifer, wenn man sie meistern will. Es ist die Sache aber wert.
Ich möchte auch ein paar Reiseerlebnisse teilen. Eines wirklich schönes Tages (ungefähr 24 Grad, sonnig, windstill) sind wir in der Nähe von Nardò ans Meer gegangen. Anstatt Sandstrände, an die ich gewöhnt bin, gibt es in dieser Gegend felsige Küsten, die Aussicht war echt mächtig. Die 50 Meter hohen, fast vertikalen Klippen, die lokalen Pflanzen und der in Trümmern liegende Verteidigungsturm haben einen unvergesslichen Eindruck gelassen. Wir haben uns auch Lecce, die größte Stadt der Provinz angeschaut. Ich habe zum ersten mal den örtlichen Zugverkehr kennengelernt und, wenn man genug Glück hat, kann man eine Stunde in einen etwas klapperigen und rostigen Zug verbringen. Wir haben sowohl eine kleine Stadttur, einen kurzen Einkaufsbummel mit einer leichten Mahlzeit gemacht, als auch einen Bücherladen erforscht. Man muss sagen, dass es gleich zu sehen ist, wenn man Lecce betretet, dass es eine größere Stadt ist. Auch in der Altstadt sind die Häuser viel höher als in Nardò. Ich bin immer noch nicht an ddie reich verzierte Architektur gewöhnt, also mussten die Kameraden mich daran erinnern, dass man nicht unbedingt von allen Straßen ein Bild machen muss. Ein bisschen ungewohnt sind aber die Schnickschnack Verkäufer auf den Straßen, an denen effektiv vorbeizukommen noch gelernt werden muss. Jedenfalls blieb noch Vieles zu erforschen, also bleibt nichts anderes übrig, als ein anderes Mal zurückzugehen.
Wunderschöne ankommende Herbstfarben!
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